PoesieVirus

PoesieVirus

Verse aus der Quarantäne

Ein Projekt der Poesieteams des Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt und des Spessart-Gymnasiums Alzenau

Inhaltsverzeichnis

Nina Streitenberger sondermüll (gedicht)
Lisa Moser Mein Wort zum Sonntag
Clara Drechsler Gedankenkreisel
Lena Botsch Corona
Artemis Mavroidi Königliche (KACK-)Kronen
Marie Pfahler Betroffen
Emily Seikel Aber
Clara Drechsler Striche an meiner Wand
Nina Streitenberger regen
Sophia Hagel Pandemie
Artemis Mavroidi Corona
Clara Drechsler Grateful-19
Laura Benic Eins
Clara Drechsler Was wäre Schule nur ohne mebis
Anna Lebedew Quarantäne
Artemis Mavroidi Virus
Nina Streitenberger quarantäne
Michael Ernest corona-Reihe I – XV
Lisa Moser Tanzen
Nina Streitenberger langeweile
Nina Streitenberger meine hamsterkäufe
Afra Nerb Corona oder Die Lichtung
Lisa Moser gefangen
Artemis Mavroidi Das Haus
Emily Seikel Sehnsucht
Clara Drechsler Fensterblick
Artemis Mavroidi Höllenritt
Silvan Wilms Symphonie unserer Zeit
Lisa Moser Das Mädchen an der Fensterscheibe
Artemis Mavroidi Der Rausch der Leere
Nina Streitenberger lass mich
Emily Seikel Ich mach’s für dich, für mich, für uns

PoesieVirus

Verse aus der Quarantäne

Herausgegeben von:
Schülerzeitung CONCRETE
des Katharinen-Gymnasiums Ingolstadt
feat. Poesie-Team
des Spessart-Gymnasiums Alzenau


sondermüll

hallo du leser
ich schrieb ein gedicht
lies es ruhig mal
doch gut wird es nicht:

mein kopf ist an
doch die ampel grad rot
meine gedankenstraße
zwischen leere und tod

das versmaß hier
wohl nicht existent
wenn in meinem kopf
die hütte brennt

denkt mein gehirn
oder tut es nur so?
vielleicht ist’s nicht hier
sondern anderswo

die konzentration
ist grad durchgebrannt
mit meiner logik
hinfort hand in hand

und was eigentlich
macht mein verstand?
im schlafanzug hab
ich ihn nicht erkannt

dort hinten am rande
des wahnsinns tanzt
meine vernunft
doch ganz ohne angst

die crew ist eben
zur zeit hacke dicht
wenn ich sie mal brauch
hilft sie mir nicht

tja vielen dank
und gerne geschehen
es reicht mir jetzt
auf wiedersehen

Nina Streitenberger, Q11
(Ingolstadt)


Mein Wort zum Sonntag

Mein Wort zum Sonntag
Wir ersticken
In Langeweile
Wir ertrinken
Im Nichtstun
Wir erblinden
Von all den Nachrichten
Wir verstummen
Zwischen all dem Gerede
Wir gehen ein
Und es ist erst Sonntag

Lisa Moser, Q11
(Ingolstadt)

Gedankenkreisel

Hände vom Waschen rau
Augen vom Warten grau
Sitzen in Zimmern und warten
Warten und blicken
Sehen wie die Uhren ticken
Tag für Tag
Ich will wieder raus wenn es dunkel ist
Will dass die Sonne meine Haut küsst
Und all die Leute in den Nachrichten
Dieselben Informationen rauf und runter
Gedanken drehen sich in meinem Kopf
Wie ein Kreisel, von einem Kind gedreht
Straße mit Straßenmalerei
Ruhe in der Luft
Reden dürfen wir nicht mehr

Clara Drechsler, Q11
(Ingolstadt)


Corona

„2020“, werde ich sagen,
„da gab es eine Pandemie,
wie es sie nie wieder geben wird in den heutigen Tagen.“
Klopapierkaufen wurde zur Suche ohne Erfolgsaussichten
Große Angst herrschte in allen Schichten
Das Virus kroch über die Erde und niemand hat es aufgehalten
Die wenigsten ließen Vernunft
und gesunden Menschenverstand walten
Nudeln wurden wertvoller als Juwelen
Und nicht wenige kamen auf die Idee, Desinfektionsmittel zu stehlen
Ein Hirnzellen abtötender Virus kam noch dazu
Und niemand fand in den nächsten Nächten seine Ruh‘
Und dann kamen die Idioten, die schrie’n:
„Scheiß auf alles, scheiß auf jeden!
Wen interessiert’s, wie viele sterben oder leben?“

Rannten durch die halbe Welt
Obwohl es ihnen im Bett mit Serien sonst viel besser gefällt
Plötzlich war die Natur für jeden wichtiger
als das nächste Weihnachtsfest
Aus Sehnsucht oder aus Protest
Und egal, welche Gesetze nach drei Monaten galten
An sie hat sich eh niemand gehalten
Die wenigsten haben sich in dieser Zeit zuhause verborgen
Deswegen sind so viele Unschuldige gestorben
„Aber warum?“, werden sie fragen
Und ich werde die Antwort nicht ertragen

Lena Botsch, 9a
(Ingolstadt)


Königliche (KACK-)Kronen

Klitzekleine Kronen
kullern kollateral,
katastrophal.
Krempeln um,
kontrollieren,
kontaminieren
kunterbuntes Kommen.
Kein Kichern.
Keine Klarheit.
Kein Kontern.
Krise!
Kapitulation?
Kronen können kaputt gehen …
REVOLUTION!!!

Artemis Mavroidi, Lehrerin
(Alzenau)

Betroffen

Ein Punkt und ein paar laute Menschen
Ein Fleck und ein kleiner Haufen lauter Menschen
Ein größerer Fleck und ein größerer Haufen
lauter Menschen
Eine Fläche und ein paar Flecken und eine große Menge
lauter Menschen
Eine zu große Fläche und nur noch leise Menschen
Eine Epidemie und eine ganze Welt in Aufruhr
Eine Pandemie und eine ganze Welt steht still

Marie Pfahler, 9c
(Ingolstadt)


Aber

Du sitzt auf meiner Brust,
nimmst mir meine ganze Luft.
Ich bin hier zu Hause, in meiner Kluft.

Menschen verlieren ihr Leben,
sie hätten eigentlich noch so viel zu geben.

Mein Verstand treibt mich in die Distanz.
Es ist deine Aufgabe zu helfen, wo auch immer du kannst.

Nicht der Virus, eher die Angst, sie engt mich ein,
kann schon lange nicht mehr bei klarem Verstand sein.

Bin nicht traurig, eher sauer,
die Menschen bauen um sich herum eine Mauer.

Aber

Seh’s nicht als Trance,
nutz es lieber als deine Chance!

Die Zeit hier ist intensiv,
manchmal leise, manchmal impulsiv.

Hier lernen wir uns besser kennen,
nicht mal der Tod kann uns jetzt noch trennen.

Ich glaube, wir haben die Krise überwunden.
Fühle mich mit dir unglaublich verbunden.

Dachte du bist gesund,
die Welt um dich herum schien so kunterbunt.

Aber

Hab es immer vermieden,
mich damit zu beschäftigen, jemanden zu verlieren.

Auf einmal ist dieses Gefühl da,
so greifbar, so nah.

Ob du gehst, oder nicht,
vor meinen Augen sehe ich dein Gesicht.

Ich bin am Leiden,
denn ich muss dich zum letzten Mal kleiden.

Kann nicht beschreiben, wie es hier ohne dich ist,
hoffe es geht dir gut, da wo du bist.

Emily Seikel, 10e
(Alzenau)


Striche an meiner Wand

Einer nach dem anderen landet da
Mein Stift wird immer kürzer
Tag für Tag verstreicht
Ich geh im Kreis
Mein Stift bröckelt
Mein Kopf bröckelt
Meine Wand voller Texte
Weil ich den Tag lang nichts anderes zu tun hab
Mein Rücken schmerzt vom Schlafen auf dem Boden
Mein Gaumen klebt vom Haferbrei Tag ein Tag aus
Meine Augen sind matt und leer
Starren an die Decke
Während ich die Wand schwarz male

Clara Drechsler, Q11
(Ingolstadt)

regen

regen
vor meinem fenster
tropfen
an meiner scheibe
die sonne
hat aufgegeben
heute
ist da nur noch
regen

Nina Streitenberger, Q11
(Ingolstadt)


Pandemie

Ich sitze hier und warte,
während ich sinnlos auf den Bildschirm starre.
Wir leben in einer Pandemie,
so schlimm wie nie.
Und ich warte auf ein Zeichen.
Ein Zeichen, dass die Ressourcen nicht mehr reichen.
Ein Zeichen, dass wir verloren sind.
Ein Zeichen, dass jede Angst von mir stimmt.

Aber ich kann nichts machen,
außer einfach hier zu sitzen und über die Krise zu lachen.
Es ist wie in einem Horrorfilm,
in dem niemand die Wahrheit wahrhaben will.
Doch das hier ist die reale Welt,
das Leben geht weiter, egal, ob es einem gefällt.
Wir werden entweder versagen
oder glorreich den Sieg davontragen.
Aber ich kann nicht helfen,
weil wir auch jetzt noch als dumme Kinder gelten.

Deshalb muss ich warten,
warten auf richtige Taten.
Doch das Warten ist vergebens,
letztendlich sorgen sie sich nur wegen ihres eignen Lebens.
Und während ich im Hintergrund tausend Politiker
von großen Plänen reden höre,
weiß ich, dass ich für sie nur störe.
„Was ist schon ein einziges Leben?
Es wäre besser, würde es sie gar nicht geben.
Ein Leben mehr, das wir retten sollen,
obwohl wir das eigentlich gar nicht wollen.“
Sie wollen leben, um jeden Preis,
nur leider bin ich scheinbar die Einzige, die davon weiß.
Alle wollen nur Leben, Macht und Geld.
Auch um den Preis einer friedlichen Welt.
Weil niemand den wahren Grund zum Leben sieht
und lieber vor jedem Gedanken flieht.


Aber eine Pandemie betrifft jeden.
Es ist endlich die Zeit, aufzustehen und zu reden.
Doch wir sitzen hier und warten,
vertreiben die Angst auf verschiedene Arten.
Du kannst es nicht leugnen, wir alle haben Angst,
weil auch du kurz vor dem Tod um dein Leben bangst.
Aber mit jeder Angst kommt ein Fünkchen Hoffnung,
Hoffnung auf Rettung.
Und mit dieser Hoffnung warten wir,
schreiben sinnlose Sachen auf Papier,
reden wirre Dinge,
weil wir sonst nicht unserem normalen Alltag nachgingen.
Aber tief im Inneren, neben all der Angst,
weißt du, dass du nur wegen der Hoffnung
um dein Leben bangst.

Sophia Hagel, 9a
(Ingolstadt)

Corona

Die Sonne scheint aber meine Seele weint.
Alles, was uns eint, fliegt davon.
Verschwindet am Horizont.

Wir entwischen uns. Entweichen. Entgleiten.
Werden klein und immer kleiner.

Unsere Träume, Wünsche, Sehnsüchte verglühen permanent
wie stürzende Schneeschuppen am Firmament.

Der Wahnsinn schleicht sich lautlos heran.
Die Angst, die Dunkelheit,
um bei uns zu verweilen.
Unsere Hand zu drücken,
während die Totenkonvois unheilvoll vorbeieilen.
Große Geistermassen,
die diese Welt des Scheins endgültig verlassen.

Alles ist still. Alles ist leer.
Nicht einmal meine Augen tränen mehr.

Die Sonne scheint. Die Vögel singen.
Die Blüten wachsen. Die Bienen summen.

Und wir?
Wir sind vom wahren Leben abgeschnitten!

Artemis Mavroidi, Lehrerin
(Alzenau)


Grateful-19

Towers high as the sky
Grey faces in the windows
Staring outside
And realising
For the first time in their lives
How beautiful the streets they walked are
The rustling leaves over their head
The flowers on the verge of the sidewalk
And in that moment
They feel a longing
To feel the wind on their skin
The sun on their face
And feel a love
For this little world
They never saw properly
And I wish
That after all of this
We are more grateful
For what we take for granted
Every day

Clara Drechsler, Q11
(Ingolstadt)

Eins

Meine Haare werden vom Wind getrieben
Ich breite meine Arme aus
Ich spüre die Luft um mich wirbeln
Ich fliege
Oder falle
Ich kann es nicht sagen,
Aber ich bin frei
Und sehe den Boden nicht
Und bin eins mit der Natur

Laura Benic, Q11
(Ingolstadt)


Was wäre Schule nur ohne mebis?

Wie Bahnfahren ohne warten
Wie Tropen ohne sterbende Arten
Wie Kopfhörer ohne Knoten
Wie Unterricht ohne Idioten
Wie Kinder ohne Läuse
Wie Bootfahrten ohne Schleuse
Wie Autobahn ohne Stau
Wie Wurst ohne tote Sau
Wie ich ohne dich
Wie die Menschheit ohne sich

Ja, richtig, viel besser

Clara Drechsler, Q11
(Ingolstadt)

Quarantäne

Ich lieg ́ da und denke an die Welt:
Wir leben auf einem seltsamen Planeten
Manche sorgen sich um ́s Geld
Andere weinen, hoffen, beten
Das Chaos bebt auf uns ́ren Wänden
Und der Frust schreit ohne Ende.
Doch in meinen Augen
Ruhe
Denn ich weiß,
Bald schon
Hältst du meine Hände
Und solang` die Vögel singen,
Wird alles gut sein.

Anna Lebedew, Q11
(Ingolstadt)


Virus

Ich sitze am Computer. Als Mensch am Computer. Höre Tango-
Musik und versuche, Menschen zu erreichen. Ich schmelze
dahin wie Schokolade in der Mikrowelle, weil ich euch nicht
erreichen kann. Er bleibt mir verwehrt – der Kontakt. Sie ist
mir verboten – die Nähe.
Und es ist, als ob ich plötzlich sehe: Ja, all das, war vor Corona
auch schon wahr. Nur konnte ich mich hinüberretten. Über die
Grenzschließungen in den Köpfen. Konnte ich schweben und
lachend denen entwischen, die mir Steine in den Weg warfen.
Alle Hindernisse, trickreich und listig umschiffen, wie
Odysseus mit seinen Gefährten.
Aber jetzt? Jetzt bin ich gefangen. Ich werde festgehalten im
goldenen Käfig des über-versorgten, privilegierten
Wohlstands-Wahnsinns. Und die bissige Sonne scheint
obendrein und wirft ein höhnisch strahlendes Licht auf die
blühenden Bäume und die verwaisten Straßen.

Manche spüren keinen Unterschied zu früher. So sagen sie. Es
fehlt ihnen an nichts. Waren sie doch schon gewöhnt an die
Einsamkeit, die Leere, die Distanz, die Gefangenschaft.
Die Krankheit intensiviert nur noch das, was wir vorher schon
taten. Die, die wir vorher schon waren. Verstärkt die Nähe
oder den Abstand. Die Sehnsucht oder die Stumpfheit.
Demaskiert das irre Antlitz unserer Gesellschaft. Alles wird
schmerzlich sichtbar. Die Fratze der gierigen, unersättlichen
Leistungs-Bestie öffnet ihren Schlund und schnappt zu. Sie
treibt uns in den digitalen Burn-Out. In den virtuellen Overkill.
Überall grassiert der Virus des profitorientierten Unsinns, der
immun ist gegen den Virus , der die Menschen befällt. Und ich
sitze als Mensch am Computer, höre Tango-Musik und
schmelze dahin, wie Schokolade in der Mikrowelle.
Und ich weine.

Artemis Mavroidi, Lehrerin
(Alzenau)


quarantäne

ich existiere
vor mich hin
ohne sinn
nur in mir drin
ich esse
und schlafe
und schau
in die luft
vergesse schon
den blumenduft
ich war ewig
nicht mehr
draußen
ewig
nicht mehr
frei

Nina Streitenberger, Q11
(Ingolstadt)

Reihe „corona“
von Michael Ernest
(Lehrer, Ingolstadt)


corona

still gestellt
das leben
in dein eigenes reich verbannt
und gespannt
was da ist
wer regiert
wenn du allein
mit dir
daheim

corona II

alle
betrifft es
uns alle
überall
egal
ob arm, ob reich
ob weiß, ob schwarz
alle und überall und ausnahmslos
und vielleicht
werden wir eins
dadurch
endlich eins
eins und mehr wie eine welt
oder siegen doch die mauern?
siegt doch die angst?


corona III

langsam
kriecht die angst heran
in uns hinein
tut, was sie kann
und wir zuhaus
drehn alles aus
gehn nicht mehr raus
werden langsam
alles still
vielleicht ne chance
wenn man so will

corona IV

vögel und blumen
und alles wird grün
du, schau
trotz dem allem
beginnt es zu blühen

das leben geht weiter
und nimmt seinen lauf
auch all das gewese
hört bald wieder auf


corona V

die ganze welt im bann

es lärmt in den köpfen

umso wichtiger
die lieder, die verse
die ahnen lassen
den duft des frühlings
zum tanzen bringen
deine gedanken
dein herz

corona VI

nebel
da draußen
grau über der stadt
die straßen leer
es läuft nichts mehr
und wir im haus
tagein tagaus

wohin mit uns
wenn die schleier so dicht
was bleibt zu tun
ohne weg, ohne sicht


corona VII

die zeit
wie gedehnt
die fixpunkte verloren
an den stillen tagen
das leben im takt

wann war dies?
wann ist das?
wann sehen wir uns wieder?
es ist donnerstag,
hab nachgeschaut

doch
die sonne geht auf
an den stillen tagen
wie gewohnt
und ganz leis
am abend der mond
über den dächern

corona VIII

schau
wie sie fliegen
die vögel
wie sie aufsteigen
und schweben
schief im warmen wind
und weiter und immer weiter
und bald nur noch punkte
und zusammen verschwinden
weit hinten
irgendwo im blau
und über die grenzen
und weiter
ob sonne, ob regen
über berge und täler
hinaus, nur hinaus


corona IX

im schulhof
ohne schüler, ohne lehrer
die blumen
dort bei der wand aus beton
sie blühen
gelb und blau und rot
duften sie
so zart
und träumen
in der sonne
rot und gelb und blau
strahlen sie

doch heuer
nur für sich

corona X

regen fällt
du am fenster
und plötzlich die frage
wie ein kalter windstoß
die frage
ob du da bist
wirklich bist bei dir
dann
wenn das leben da draußen
nicht schläft
wie jetzt


corona XI

still
ist es in den straßen
auf einmal
so dörflich still
unter der hellen sonne
nichts wirklich stört
und schritt für schritt
überrascht
mitten in der stadt
und blau die wasser
wie man hört
in venedig sogar

und auf einmal
so langsam alles
auf abstand die menschen
und sich doch recht nah
und schritt für schritt
vielleicht näher als sonst
die verregneten herzen
vielleicht schüchterner
weicher

corona XII

die sonne
auf meinem buch
offene landschaft fliegt vorbei
kleine bahnhöfe
das grün der felder

augenstoff
für die zeit im haus
die jetzt kommt
helle bilder
für die welt
in mir


corona XIII

distanz und nähe
verschoben
neu erprobt
die begegnungen
von mensch zu mensch
virtuelle euphorie
da und dort
in augenblicken gelebt
die tage
und immer mehr die frage
wie sich leben anfühlt
in der gedehnten zeit
verwundert
in lustvoll müder einsamkeit
wie wenn du aufschlägst
eine neue seite
und vor dem fenster
rufen die vögel
hinaus in die helle weite

corona XIV

ausnahmezustand

ein großes wort
deutbar
manipulierbar
die sprache, unser denken
im griff des virus
wege zu gehen
in die nebel des morgen

doch
vielleicht wachsen tatsächlich
wo gefahr ist
die blumen
leuchten heller als sonst
im kalten wind


corona XV

schläfrig
die zeit
wie reglos
und ganz breit
liegt sie über der stadt

woran werden wir uns erinnern
dann später
was bleibt?

vielleicht
das warten auf die worte
allein mit sich und der frage
wer man ist
wer wir sind
und vielleicht
dann und wann
ein kurzer blick in die sterne

poesie

der kopf voll mit worten
und klänge im herz
was schreib ich
wenn ich liebe
was reimt sich
auf schmerz

Michael Ernest, Lehrer
(Ingolstadt)


Tanzen

Barfuß
Tanze ich
Allein durchs Zimmer
Die Tage werden länger
Das Gefühl wird immer schlimmer
Nicht tanzen zu können
Mit dir
Deshalb tanz ich weiterhin
Im Zimmer
Nur mit mir

Lisa Moser, Q11
(Ingolstadt)

langeweile

langeweile am start
ich versinke in der couch
autsch

meine hamsterkäufe

gummibärchen, eis, kuchen, waffeln, chips,
nutella, pudding, kekse, pralinen und marmelade.
was, klopapier ist aus?
dann hol ich schokolade.

beide von Nina Streitenberger, Q11
(Ingolstadt)


Corona oder Die Lichtung

Ich stehe auf meinem Balkon. Es ist kalt. Ich reibe mir meine Arme.
Ja, ich könnte hineingehen und mir eine Jacke holen, aber das
Letzte, was ich will, ist wieder dort hinein, wo nun überall
Trümmer liegen. Trümmer, die entstanden, als mir die Decke auf
den Kopf gefallen ist. Ich seufze und blicke vom Balkon hinunter
auf die Straße. Alles wie immer. Die dunkle Straße, die von
Laternen erhellt wird, ist menschenleer, nur gelegentlich rauscht
ein Auto vorbei. So wie immer um diese Uhrzeit. Ich lächele
traurig. Erst morgen wird man bemerken, dass etwas nicht stimmt.
Wenn an einem ganz normalen Dienstag kaum jemand zum Edeka
oder zur Bushaltestelle geht. Wenn keine Kinder morgens unter
Geplapper zur Grundschule gegenüber gehen und nicht auch nicht
mittags von der Schule oder im Laufe des Nachmittags von der
Tagesstätte wieder abgeholt werden. Wenn all die Autos vor der
Tür stehen bleiben und kaum jemand sein Haus verlässt. Erst dann
wird man merken, dass eine Katastrophe ausgerufen wurde und
nun vorerst alle in ihren Häusern festsitzen. Nein, die Trümmer in
meinem Haus kommen nicht von irgendwoher, einmal zu oft
wurde das Wort „Corona“ gesagt. Und nun liegen zwei Teller
zerbrochen auf dem Boden und ich stehe hier draußen und starre
auf die dunkle Straße. Bis mir eine Idee kommt. Rasch nehme ich
mein Handy vom Tisch hinter mir. Ich öffne WhatsApp und klicke
die „Chaosgruppe“ an. Ich schicke eine Nachricht, dann stecke ich
mein Handy in meine Hosentasche und klettere auf das
Balkongeländer. Einmal kurz atme ich durch, dann breite ich meine
Flügel auf und schwinge mich hoch in die Luft, höher, immer höher.

Irgendwann ist die Welt mit ihrer scheiß Pandemie klein genug,
dass ich sie nicht mehr sehen muss, und ich kann die Gedanken
daran in einen der hintersten Winkel in meinen Gehirn verbannen.
Ich fliege eine Zeit lang und lasse mich dann wieder herabsinken.
Kurz darauf lande ich in einem Wald auf einer perfekten Lichtung.
Und wenn ich perfekt sage, dann meine ich, dass ein Bild von ihrwunderbar auf das Cover eines „Das-Leben-ist-schön-denk-immer-
positiv-Buches“ gepasst hätte. Die Sonne scheint angenehm warmdurch die Bäume hindurch. Die Lichtung ist mit wunderbar
weichem Gras bewachsen und an einer Seite liegt ein Teich mit
wunderschönem, klarem Wasser. Am Waldrand hängen die
Schaukeln in den Bäumen, die wir vor einiger Zeit dort aufgehängt
haben. Ich lasse mich ins Gras fallen und schließe die Augen.

Nach einiger Zeit höre ich Stimmen und ich muss lächeln. Da
kommt die Chaosguppe, denke ich. Ich öffne die Augen und sehe
Lena über der Lichtung, die sich im Flug mit Maja unterhält. Hinter
ihnen sind schon die nächsten beiden und kurz darauf sind wir
komplett. Die anderen haben Essen mitgebracht, welches wir
rasch verschlingen, und dann beginnt unser üblicher Ablauf, den
wir auf unserer Lichtung entwickelt haben. Wir lachen, quatschen,
hören Musik aus Lucas Musikbox, die er extra mitgebracht hat.
Irgendwann gehen wir dann dazu über im Teich eine
Wasserschlacht zu veranstalten, und als wir davon genug haben,
spielen wir Werwolf. Und genau deshalb liebe ich diese Lichtung
so sehr; sie ist perfekt. Hier auf dieser Lichtung gibt es kein
Corona, gibt es kein Verbot Menschen zu treffen, hier gibt es nur
uns, eine Gruppe Jugendlicher, die zusammen rumhängen.


Alles ist perfekt, als plötzlich ein lautes Klingeln ertönt.
Ich stehe auf meinem Balkon. Es ist kalt. Langsam greife ich mein
Handy vom Tisch hinter mir und blicke auf den Anrufer. Dann
schalte ich das Gerät auf lautlos und lege es zurück, denn ich weiß,
worum sich das Gespräch drehen wird, und ich weiß, dass mein
Handy, sollte ich diesen Anruf annehmen, vom Balkon fliegen
würde. Ich brauche es noch. Ich lasse es also liegen und starre
weiter auf die dunkle Straße. Fünf Wochen sind wir in unseren
Häusern eingesperrt. Und die erste hat gerade erst angefangen.

Afra Nerb, 9c
(Ingolstadt)

gefangen

Mein Körper ist gefangen
Alleine sitz ich hier
Zwischen den vier Wänden
Und sehne mich nach dir
Die Tage werden länger
Ich brauch einen der mich
schmust
Denke nur an dich
Und frag mich was du tust
Ich wär so gern bei dir
Ganz nah bei dir im arm
Nur dort werde ich glücklich
Ganz weich und auch ganz warm
Distanz ist etwas Ödes
Was Böses
Was Saublödes
Doch das Schlimmste dabei ist
Dass du nur drei Minuten weg
von mir bist

Lisa Moser, Q11
(Ingolstadt)


Das Haus

Ich träumte von einem großen Haus.
Hell erleuchtet in der Nacht.
Ein Haus mit vielen Zimmern!
Ich wandere umher in den Räumen des Palastes
und sehe die Kronleuchter munter schimmern.
Ich fühle mich frei und leicht.
Voll Abenteuerlust und Staunen
Wie elektrisiert – einem Erkunder gleich –
will ich alles für mich rauben.
Fröhlich und siegessicher werfe ich meinen Kopf in den Nacken.
Und renne los. Hier ist so viel zu sehen.
Ich stürze mich ins Vergnügen.
Von Raum zu Raum, von Spiegel zu Spiegel, von Gang zu Gang.
Von Wandbehang zu Wandbehang.
Doch langsam beschleicht mich ein Gefühl…
Will mich dies Haus denn betrügen?
Im Morgengrauen dann wohnen in mir endgültig
nur düstere Gedanken.
Mich packt die nackte Angst.
Gnadenlos und roh mit ihren eisernen, kalten Klauen.

Was ist dieses Haus?
Wer ließ es errichten?
Wieso renne ich umher, wie in einem Irrgarten,
und find keinen Ausgang mehr?
Wo sind die Bewohner dieser Stätte?
Denn dieser Ort – obgleich so endlos und so weit –
ist als ob in ihm das Leben nicht mehr weilt.
Als ob das Leben keinen Platz mehr hätte.
Mein Spiegelbild zu sehen, eingerahmt von goldenem Stuck,
ist wie ein Spuk an diesem Ort.
Als wäre ich schon lange fort.
Aber das Haus. Es ruht. Es schweigt.
Voll Grausamkeit.
Und ich weine in einem der unzähligen Zimmer.
Schluchze und bibbere in frostiger Einsamkeit.
Es gibt mir keine Antwort.
Das Haus der leeren Zimmer.
Ich komme hier nicht weg.
Nie mehr!

Artemis Mavroidi, Lehrerin
(Alzenau)


Sehnsucht

Sitze am Fenster,
wie ein kleines Kind.
Wünschte, ich könnte endlich wieder spüren, diesen Wind.
Ich habe Sehnsucht.
Würde gerne über meinen Schatten springen,
nach draußen gehen,
Lieder singen,
Wunder vollbringen.
Ich habe Angst.
Ich möchte uns alle schützen,
Würde viel lieber springen in Pfützen.
Würde sogar lieber Regen spüren,
einfach nur, um die Natur zu fühlen.
Ich habe Hoffnung.
Hoffnung auf einen Sonnentag,
an dem jeder rausgehen kann, wann er mag.
Ich will hören die Bienen summen,
anstatt immer nur den Fernseher brummen.
Ich habe Vorfreude.
Möchte endlich wieder durch die Felder kreisen,
mal wieder nach Blumenhalmen greifen.
Trage genug Hoffnung in mir,
ganz vielleicht hilft das auch dir.
Wir haben uns.

Emily Seikel, 10e
(Alzenau)

Fensterblick

Und so sitz ich hier
Und sehe dabei zu, wie sich mein Leben
dem Ende zuneigt
Sehe, wie die Tage vergehen
Wie die Menschen nicht besser verstehen
So sitz ich hier
Mit der Brille auf der Nase und schau aus
dem Fenster
Seh, wie sich die Bäume im Wind wiegen,
So wie vor 40 Jahren
Nur dass der Wind jetzt wärmer weht
Und der Baum im Garten auch im
Dezember Blätter trägt

Clara Drechsler, Q11
(Ingolstadt)


Höllenritt

Was ist das nur für ein übler Ritt?
Ich galoppier dahin durch tiefes Grün.
Vorbei an zwitscherndem Geäst,
bis plötzlich SCHNITT!
Das sonst treue Wesen unter mir,
mit dem großen, sanften Herzen
verliert die Nerven und prescht davon
wie ein rasendes Getier.
Ich weiß mir nicht zu helfen.
Schreie, heule, krampfe
und kralle mich fest an der Sattelschnalle.
Aber ich kann sie nicht greifen.
Die Zügel, sie entgleiten.
Und ich stürze an den steilen Seiten.
Ab in die Tiefe, in den Schlamm,
in den Dreck, in die Ohnmacht.

Was Panik nur mit unseren Herzen macht?
Wir verlieren als Lebende die Kontrolle.
Die Gefühle beherrschen von nun an die Rolle.
Und das Feuer des Chaos ist entfacht.
So finde ich mich abgeschnitten,
nachdem ich war munter ausgeritten,
in der Taubheit der Irrnis wieder.
Spür weder Vernunft noch meine Glieder.
Einsam ist es plötzlich im Wald.
Einsam und düsterlich kalt.

Artemis Mavroidi, Lehrerin
(Alzenau)


Sehnsucht

Erster Satz: Allegro

Die Welt steht in Flammen, entfacht vom Übermut derer, die einer
Vergangenheit entstammen, die ihnen Macht und Reichtum
verlieh, und die aufzugeben sie nun nicht im Stande sind.
Zu viele Männer, die groß an Geld und Ämtern,
doch klein an Geist sind.
Die nur allzu gern, statt Diplomat, den großen Feldherrn spielen,
sich ihre eigenen Heldenepen dichten
und dabei die Welt zu Grunde richten.
Allegro Vivace! Um Leben und Tod!
Was sie erreichen ist Elend und Not.
Die Herzen leer, die Lager voll
und in meinem Kopf spielt ein Geiger Tartini in G-Moll.
Und ich starre ins Geschehen, harre dem, was da noch werde, und
die Antwort bleibt dieselbe:
Verbrannte Erde!

Zweiter Satz: Grave

In China erhebt sich stumm ein gekrönter Imperator, verhöhnt
jeden Diktator, der sich seines Machtworts sicher wähnte.
Ein unsichtbarer Tyrann, der dem Menschen den Atem raubt.
Und er streckt seine Arme aus über Grenzen, Länder, Kontinente
und lähmt den Herzschlag dieser Welt, indem er der Menschen
Herzen in Angst und Ungewissheit gefangen hält.
Shutdown, Stillstand, Schockstarre.
Wir verharren, das Leben in Eis gegossen.
Türen, die sonst offen stehen, sind zum ersten Mal geschlossen.
Leere Straßen, leere Städte, Leere, wo sonst Leben wäre.

Grave: Schwere liegt über den Dingen, die eben noch allzu leicht
Feuer fingen.
Und so manch klarer Ton verklingt leise und ungehört in Isolation.
Wir ersticken. Auf die ein oder andere Weise.

Dritter Satz: Presto

Angst und Schrecken, die sich schnell verbreiten, verleiten jedoch
unumgänglich auch zu Panik, zu Aktionismus,
unempfänglich für Vernunft.
Raffgier, Einschluss, Egoismus.
Mensch mutiert.
„Ist das die letzte Packung Klopapier? Hey, halt! Nein! Stopp! Die
gehört mir!“
Und sie schließen alle Grenzen,
die doch keine Grenzen mehr sein sollten,
von denen wir doch wollten, dass sie offen stehen.
Wir wollten sie sehen,
als den Inbegriff von Freiheit, Freundschaft, Solidarität!
Zu spät.
Statt mit Verstand gegen die hundertfache Multiplikation
im eigenen Land,
gehen wir vor gegen einen additiven Strom.
Doch der ist eine Illusion.
Der Zaun, den wir da schließen, ist nichts als ein Traumfänger
gegen den Nachtmahr, der schon wütet.
Die irrationale Furcht vor einer Flut, die es nicht gibt.
Wo ist nun der Mut zur Gemeinschaft,
dieses, unser höchstes Gut?
Und was heißt in diesen Zeiten schon: „Europäische Union“?
Es war doch ein Versprechen.


Es war doch mal die Intention, die Gemeinschaft nie zu brechen,
Unterstützung zu gewähren, wo sie nötig sei.
Doch jetzt? Ist das alles jetzt vorbei?
Ist es dem Tyrann gelungen?
Hat er den Menschen in seinen Idealen,
in seiner Menschlichkeit bezwungen?
Hat er ein Lied vom Tod gespielt?
Hat er nicht auf unsere Lungen
als vielmehr auf unser Herz gezielt?
Hat er uns besiegt?

Ich erwehre mich dieses Gedankens.
Ich kehre mich ab vom Trübsal dieser Tage.
Ich wage es zu träumen, mich aufzubäumen,
habe Wege gefunden, die Schockstarre überwunden.
Ich will schaffen und kreieren,
will schreiben, komponieren,
will Sturm sein, wo kein Wind mehr weht,
will rennen, wo der Atem vergeht,
bin Künstler, Musiker, Poet
und damit nicht allein.
Und ich wage zu behaupten: Wir können größer sein!
Größer sein als diese Zeit.
Wir schreiben unser eigenes Stück, unsere eigene Symphonie.
Wir brechen uns Bahn
gegen Unglück, Krieg und Wahn in dieser Welt.
Wir sind die klingenden Saiten,
der schwingende Atem,
die hämmernden Pauken,
sind Puls lebendiger Herzen.
Wir sind Musik.

Silvan Wilms, Q12
(Alzenau)

Mädchen an der Fensterscheibe

Wenns Mädchen an der Fensterscheibe
Hinausblickt in die Fern
Dann wüsste es jetzt gern
Worüber es als nächstes schreibe
Und wie es sich die Zeit vertreibe
Eine wahrhaft schwere Frage
Doch niemand hört die Klage
Welche es dem Winde singt
Keiner hört wie es klingt
Am hellen Tage
Doch bricht die Nacht herein
Und alle Winde schweigen
Erst dann lässt es sich treiben
Von der Nacht allein
Vom Mond der dort ganz klein
Am dunklen blauen Himmel scheint
Und die schönsten Farben vereint
Verzaubert er durch seinen Schimmer
Des schönen Mädchen dunkles Zimmer
Das dort unten sitzt und weint
Weh, oh weh dem armen Kind
Das allein dort in der Nacht
Ganz still am Fensterbrette wacht
Nun bleibt ihm nicht einmal der Wind

Lisa Moser, Q11
(Ingolstadt)


Der Rausch der Leere

Mein Kopf ist so voll – nur Groll.
Mein Herz schlägt so wild und toll.
Alles rast und schnellt.
Keiner weiß mehr, ob er es noch aushält.
Toben, stampfen, knallen, krachen.
Bumm. Bumm. Bumm.
Moderne Zeiten. Getaktet, gespalten.
Kein Innehalten.
Und dann? Was nun?
Atme!
Ein: Fülle deine Lunge. Breite sie aus.
Werde groß, stark, voll.
Atme!
Aus: Befreie dich vom Druck der Last.
Begrüße die Leere. Spüre mehr kein Soll.

Apnoë: Der Geist des Lebens.
Er fließt durch dich hindurch.
Er kennt keine Grenzen, Schranken, Mauern.
Alles ist eins.
Atme ein letztes Mal tief ein.
Voller Vertrauen.
Und tauche hinab in die Tiefe des Seins.
In die Tiefe deiner inneren Meere.
Kann es sie denn wirklich geben?
Die Leere?

Je tiefer du sinkst, um so leerer wird dein Kopf.
Um so erfüllter dein Frieden.
Alles um dich herum wird tonnenschwer
und drückt auf jeden Zentimeter deines Körpers.
Verkleinert deine Lungen.
Leer ist voll.
Und voll ist leer.
Kein Lärm erreicht dich mehr.
Wo ist oben oder unten?
Was ist innen oder außen?
Die Zeit steht still.
Und dein Herz weiß nicht, ob es das noch will.
Schlagen! Wozu?
Warum der Takt?
Wohin das Pumpen?
Es will nur eins sein.
Verbunden.
Versunken in der friedvollen Tiefe.
Eingehüllt im heiligen Kokon der Keinheit.
Und gibt sich hin.
Dem lautlosen Rausch der Leere.

Artemis Mavroidi, Lehrerin
(Alzenau)


lass mich

lass mich raus
lass mich gehen
ich muss die gänseblümchen sehen

lass mich frei
lass mich fliehen
ich muss mit den wolken ziehen

lass mich los
lass mich leben
ich muss mit dem himmel reden

lass mich weg
lass mich sein
ich muss das alles von mir schreien

lass mich

denn ich kann nicht hierbleiben
und den ganzen tag nur davon schreiben

Nina Streitenberger, Q11
(Ingolstadt)

Ich mach’s für dich, für mich, für uns

Habe Lust mich neu zu entfalten,
alte Muster abzulegen, manche zu behalten.
Ich mach’s für dich.

Hab genug Zeit dazu und lenke mich ab,
damit die Einsamkeit nicht einschlägt im Nu.
Freue mich schon auf die Zeit danach,
wenn alles wieder so sein kann, wie ich es mag.
Ich mach’s für mich.

Dennoch mach‘ ich es nicht gern,
mich von anderen Menschen zu entfern‘.
Fühle einen gewissen Druck,
Trage die Hoffnung jedoch an mir wie Schmuck.
Ich mach’s für uns.

Die Krankheit kann mich jederzeit verwunden,
kann einschlagen in wenigen Sekunden.
Aber ich mach’s für dich, für mich, für uns,
damit endlich mal siegt die Vernunft.

Emily Seikel, 10e
(Alzenau)


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